Mötzingen: Geschichte von der Eisenzeit bis zur Gegenwart

Mötzingen: Geschichte von der Eisenzeit bis zur Gegenwart

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Die Gemeinde Mötzingen blickt auf eine Geschichte von der Eisenzeit über das Mittelalter bis zur modernen Wohn- und Gewerbegemeinde zurück.


Die ersten Siedlungsfunde auf der Gemarkung Mötzingen reichen bis in die Eisenzeit zurück, beginnend etwa 900 v. Chr. Vor rund 2000 Jahren gehörte das Gebiet zum römischen Zehntland. Ab etwa 250 n. Chr. endete die römische Herrschaft mit der Einwanderung der Alemannen. Diese wurden im Jahr 496 von den Franken unter König Chlodwig besiegt. Mit dessen Übertritt zum Christentum im selben Jahr wurde das Christentum Staatsreligion. Die Christianisierung der Region war bis zum Ende des 8. Jahrhunderts weitgehend abgeschlossen.

Die erste urkundliche Erwähnung von Mötzingen stammt aus dem Jahr 1094. Zu dieser Zeit gehörte das Gebiet zum Herzogtum Schwaben. Im Spätmittelalter lag die Herrschaft bei den Vögten der Grafen von Hohenberg. Die Überlieferung bis etwa 1580 ist teilweise unklar, da unterschiedliche Schreibweisen des Ortsnamens verwendet wurden.

Am 6. Juni 1580 erwarb der Bischof von Speyer Schloss und Dorf Mötzingen. Bereits am 13. Februar 1581 wurde der Besitz für 12.000 Gulden an Herzog Ludwig von Württemberg weiterverkauft. In der Folge wurde Mötzingen dem Amt Herrenberg zugeordnet. Zwischen 1582 und 1584 entstand ein Schloss unter der Leitung des Baumeisters Heinrich Schickhardt.

Nach der Reformation, die 1534 in württembergischen Gebieten eingeführt wurde, gehörte Mötzingen zum Dekanat Herrenberg. Während des Dreißigjährigen Krieges sank die Einwohnerzahl stark. Um 1601 lebten mehr als 200 Menschen im Ort, 1641 waren es noch etwa 60.

Im Jahr 1816, einem Hungerjahr mit geringer Ernte, wanderten 460 Einwohner nach Amerika aus. Verwaltungsrechtlich gehörte Mötzingen vor 1810 kurzzeitig zum Oberamt Nagold, danach wieder zum Oberamt Herrenberg. Auch nach der Neuordnung im Königreich Württemberg ab 1806 blieb diese Zugehörigkeit bestehen.

Die heutige Kirche wurde 1793 erbaut, das Rathaus entstand 1745/46 als Schul- und Rathaus. Eine Schule wurde erstmals Ende des 16. Jahrhunderts eingerichtet. 1875 wurde ein Schulhaus gebaut, das am 17. September 1907 abbrannte. 1909 entstand an gleicher Stelle das sogenannte Alte Schulhaus.

Im Jahr 1905 wurde die Elektrifizierung eingeführt, 1912 erfolgte der Anschluss an die Gäuwasserversorgung. In der Nacht vom 7. auf den 8. Mai 1942 kam es zu einem Luftangriff, bei dem zehn Anwesen zerstört wurden. Am 17. April 1945 rückten französische Truppen von Nagold her ein. Dabei wurden 13 Häuser und zwei Scheunen zerstört oder beschädigt. Im letzten Jahr des Zweiten Weltkriegs wurde auch das Schloss zerstört.

Im Zuge der Verwaltungsreform 1938 wurde Mötzingen dem Landkreis Böblingen zugeordnet. Zwischen 1945 und 1952 gehörte der Ort zum Land Württemberg-Baden, seit 1952 zum Bundesland Baden-Württemberg.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden neue Wohngebiete südlich des alten Ortskerns sowie im Nordwesten. Gleichzeitig entwickelte sich ein Gewerbegebiet. Rund 400 Vertriebene aus verschiedenen Regionen fanden in Mötzingen eine neue Heimat.

1962 wurde ein neues Schulhaus eingeweiht, 1977 folgte die Gemeindehalle. 1995 wurde ein Erweiterungsbau der Schule für über 1,74 Millionen Euro fertiggestellt. Im Jahr 2000 erhielt die Gemeindehalle einen Bühnenanbau und wurde saniert, mit Gesamtkosten von rund 890.000 Euro.

Zwischen 1983 und 1984 entstand ein neuer Friedhof an der Baisinger Straße. Am 17. Februar 1989 wurde das neue Rathaus in der Schloßgartenstraße eingeweiht.

Die Einwohnerzahl lag im Mai 1970 bei 1922 und stieg später auf etwa 3.700 an. Ein Großteil der Erwerbstätigen pendelt nach Böblingen, Sindelfingen, Stuttgart und Nagold.

1973 nahm ein Möbelunternehmen seine Produktion in Mötzingen auf und beschäftigte später etwa 450 Personen. Weitere Gewerbebetriebe ergänzen das Arbeitsplatzangebot. Im Jahr 2000 wurden ein Einkaufsmarkt sowie ein weiteres Betriebsgebäude eines Möbelunternehmens errichtet.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurde das Wohngebiet „Röte I“ erschlossen. Weitere Wohnbauflächen mit den Bezeichnungen „Röte II“ und „Röte III“ befinden sich in Entwicklung. Die Gemeinde ist Mitglied im Zweckverband ING Park Nagold-Gäu zur Bereitstellung von Gewerbeflächen.

Die Gemeinde verfügt über fünf Kindertageseinrichtungen. Dazu gehört das im Jahr 2020 errichtete „Spatzennest“ mit bis zu vier Gruppen für Kinder im Alter von ein bis drei Jahren. Ergänzt wird das Angebot durch eine Grundschule, Gemeindebücherei sowie verschiedene Freizeit- und Vereinsangebote.

 


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Wann wurde Mötzingen erstmals erwähnt?
Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1094.

Wie alt sind die ältesten Siedlungsspuren in Mötzingen?
Die ältesten Funde reichen bis in die Eisenzeit um etwa 900 v. Chr. zurück.

Welche Herrschaften prägten Mötzingen im Mittelalter?
Im Spätmittelalter übten die Vögte der Grafen von Hohenberg die Herrschaft aus.

Wann kam Mötzingen zu Württemberg?
Mötzingen ging 1581 an das Herzogtum Württemberg über.

Wie entwickelte sich die Bevölkerung im Dreißigjährigen Krieg?
Die Einwohnerzahl sank von über 200 um 1601 auf etwa 60 im Jahr 1641.

Welche Auswirkungen hatte das Jahr 1816?
Im Hungerjahr 1816 wanderten 460 Einwohner nach Amerika aus.

Welche Ereignisse gab es im Zweiten Weltkrieg?
1942 wurden bei einem Luftangriff zehn Anwesen zerstört, 1945 weitere Gebäude beschädigt oder zerstört.

Wie entwickelte sich Mötzingen nach 1945?
Es entstanden neue Wohn- und Gewerbegebiete, und etwa 400 Vertriebene wurden aufgenommen.

 

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