Philippsburg: Militärstandort prägte Stadtentwicklung

Philippsburg: Militärstandort prägte Stadtentwicklung

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Von 1963 bis 1997 war Philippsburg bedeutender Bundeswehrstandort mit umfangreicher Infrastruktur.


Ab 1963 entwickelte sich Philippsburg durch die Stationierung des Raketenartilleriebataillons 122 sowie weiterer Artillerieverbände zur größten Artilleriegarnison der Bundeswehr. Der Standort bestand bis zu seiner Aufgabe im Jahr 1997.

Parallel zum Bau der Salm-Kaserne wurden zentrale Infrastrukturen errichtet. Dazu gehörten ein Gymnasium, ein Hallenbad sowie die Kanalisation.

Zu den militärischen Einrichtungen zählte unter anderem die Standortmunitionsniederlage 521/1. Diese umfasste 22 erdüberdeckte Munitionslagerhäuser und diente der Lagerung von Munition für das Raketenartilleriebataillon 122. Das rund 20 Hektar große Depot wurde von 1963 bis 1997 betrieben. Im Jahr 2013 wurden die meisten Lagerhäuser abgetragen und das Gelände renaturiert. Drei Gebäude blieben erhalten. Eines wird als Fledermausquartier genutzt, zwei weitere durch den städtischen Bauhof und den Forst.

Direkt angrenzend befand sich das Sondermunitionslager Molzau der NATO. Es bestand aus zwei besonders gesicherten Lagerhäusern und war von 1963 bis 1992 in Betrieb. Die Anlage wurde im Zuge der Außerdienststellung des 3rd US Army Field Artillery Detachment aufgegeben. In den 1970er Jahren wurde die Sicherheit durch zusätzliche Maßnahmen ausgebaut, darunter ein Wachgebäude mit Betonwachturm. Dieser ist bis heute erhalten.

Im Sondermunitionslager Molzau wurden Atomsprengköpfe für die 12. Panzerdivision gelagert. Die Bewachung und Handhabung erfolgte ausschließlich durch US-Soldaten. Im Verteidigungsfall war eine Übergabe an deutsche Artillerieverbände vorgesehen. Gelagert wurden Sprengköpfe für Panzerhaubitzen vom Kaliber 155 mm und 203 mm sowie für Kurzstreckenraketen des Typs Honest-John.

Nach Angaben des ehemaligen Lagerkommandanten Ken Gilroy befanden sich in den 1980er Jahren insgesamt sechs nukleare 155-mm-Granaten, sechs 203-mm-Granaten sowie zwölf Sprengköpfe für Honest-John-Raketen im Depot. Das entspricht einer Gesamt-Sprengkraft von 540 Kilotonnen TNT.

Im Jahr 2013 wurden die Gebäude des Sondermunitionslagers abgebrochen. Das Gelände wurde bis auf den Wachturm renaturiert.

Östlich der ehemaligen Munitionslager liegt das NATO-Tanklager Huttenheim. Es wurde etwa von 1962 bis 1995 betrieben und umfasste 18 oder 19 erdüberdeckte Lagertanks. Die Versorgung erfolgte über das Central Europe Pipeline System. Das Lager diente vor allem der Treibstoffversorgung amerikanischer Einheiten im Raum Mannheim.

Um das Jahr 2007 wurden die Verladestellen für Tankkraftwagen entfernt. Die übrigen Anlagen blieben baulich unverändert. Die Pipeline ist Stand 2024 weiterhin in Betrieb. Seit etwa 2023 bestehen Planungen, das Gelände für eine Tiefengeothermiebohrung zu nutzen.

 


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