Der Stadtteil Mörsch wurde 940 erstmals erwähnt und prägte über Jahrhunderte die Entwicklung im Westen der heutigen Stadt Rheinstetten.
Mörsch wurde im Jahr 940 als „Meriske“ erstmals urkundlich erwähnt. Die Erwähnung erfolgte in einer Schenkungsurkunde an das Bistum Speyer. Archäologische Funde belegen zudem Besiedlungsspuren aus römischer Zeit. Reihengräberfunde weisen Mörsch als Siedlung des 7. bis 8. Jahrhunderts nach.
Im 12. und 13. Jahrhundert stand Mörsch unter der Herrschaft der Grafen von Eberstein beziehungsweise von Ministerialen von Mörsch. Bereits ab 1291 gelangte teilweise Besitz des Ortes an das Kloster Weißenburg. Ab 1339 besaß das Kloster das ganze Dorf. 1350 war Mörsch endgültig bei Baden und gehörte zum Amt Mühlburg. Bei der Landesteilung 1535 fiel der Ort an die Linie Baden-Baden und gehörte später zum Amt Ettlingen. Nach dessen Auflösung 1937 kam Mörsch zum Landkreis Karlsruhe.
Im Mittelalter entwickelte sich Mörsch als Haufendorf mit umliegenden Gewannfluren. Die Einwohner lebten als Hörige im Gefüge mehrerer Hofgüter. Im Hochmittelalter verbesserten sich die Besitzrechte der Bauern, zugleich blieben die Abgaben an die Grundherren eine Belastung. An der Spitze der Dorfherrschaft stand der Schultheiß.
1378 wurde in Mörsch erstmals eine Kirche erwähnt. Vermutlich seit dem 11. Jahrhundert war der Ort selbstständige Pfarrei. Im Zuge der Reformation und der folgenden konfessionellen und politischen Streitigkeiten wechselten die Einwohner einmal die Konfession. Seit 1622 blieb die Markgrafschaft endgültig katholisch. 1849 wurde anstelle der alten Kirche auf dem Pfarrbuckel die heutige St. Ulrich Kirche errichtet. In diesem Zusammenhang wurde auch der Friedhof an seinen heutigen Platz verlegt.
Im 17. und 18. Jahrhundert litt Mörsch unter kriegerischen Ereignissen und Pestausbrüchen. Während des 30-jährigen Krieges sank die Einwohnerzahl auf rund ein Viertel. Auch der Pfälzische und der Spanische Erbfolgekrieg um 1700 wirkten sich auf den Ort aus. Der Bau der Ettlinger Linie fällt in diesen Zeitraum.
Im 18. und besonders im 19. Jahrhundert wuchs die Bevölkerung stark. 1812 lebten in Mörsch 828 Personen. 1885 waren es bereits 2.341. Gleichzeitig kam es im Zusammenhang mit der Realteilung zu Verarmung. Rund 100 Personen wanderten im 18. Jahrhundert nach Südosteuropa aus. Im 19. Jahrhundert verließen über 600 Personen den Ort, vorwiegend in Richtung Nordamerika.
Mit der Industrialisierung wandelte sich Mörsch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vom Bauerndorf zur Arbeiterwohngemeinde. Viele Männer arbeiteten in Karlsruhe, vor allem als Maurer im Bauhandwerk. Der Bau der Lokalbahn 1890 verbesserte die Verbindung zum Arbeitsplatz. Die Familien betrieben daneben weiterhin kleine Landwirtschaften zur Deckung des Eigenbedarfs.
Um die Jahrhundertwende arbeiteten auch viele Frauen aus Mörsch in Karlsruhe, insbesondere in der Lumpensortieranstalt Vogel & Schnurrmann. 1904 entstand der erste Kindergarten in Mörsch für die Kinder der Arbeiterinnen. Die steigenden Bevölkerungszahlen führten außerdem zum Bau neuer Schulgebäude. Zwischen 1822 und 1912 wurden vier Schulgebäude neu errichtet.
Der Erste Weltkrieg traf die Bevölkerung schwer. 152 Gefallene waren zu beklagen. In den 1920er und 1930er Jahren entstand trotz Wirtschaftskrise ein neues Baugebiet jenseits der Bahnlinie. Seit den 1930er Jahren bestand zudem eine zentrale Wasserversorgung.
Ab 1933 prägte die Herrschaft der Nationalsozialisten auch den Alltag in Mörsch. Als Bürgermeister wurden Mitglieder der NSDAP eingesetzt, zuletzt Karl Herrmann. 1933 beziehungsweise 1935 wurden Arbeitervereine und katholische Organisationen verboten. Pfarrer Anton Fränznick, der von 1925 bis 1940 in Mörsch tätig war, starb 1942 im KZ Dachau.
Ab 1936 wurde Mörsch in den Westwall einbezogen und mit rund 50 Bunkern sowie einem Tankgraben ausgebaut. Im Zweiten Weltkrieg fielen 270 Mörscher. Nach der Einnahme des Ortes durch die französische Armee in den ersten Apriltagen 1945 beschoss die Wehrmacht den Ort mit Artillerie. Der Ortskern wurde vollständig zerstört. Zahlreiche Soldaten und Zivilisten starben.
Nach Kriegsende gehörte Mörsch zunächst zur französischen und danach zur amerikanischen Besatzungszone. 1946 markierten die Einsetzung unbelasteter Bürgermeister und die ersten Gemeinderatswahlen den demokratischen Neubeginn. 1949 wurde die Kirche wieder eingeweiht. 1951 entstand das Rathaus neu.
Ab den 1950er Jahren entwickelte sich Mörsch weiter. Neue Baugebiete wurden erschlossen. Der Ort dehnte sich bis an die B 36 und in das Tiefgestade aus. Die Albert-Schweitzer-Schule und das Hallenbad wurden gebaut. 1981 wurde das evangelische Gemeindezentrum eingeweiht. 1984 entstand die evangelische Gemeinde Mörsch/Neuburgweier. Maßgeblichen Anteil an dieser Entwicklung hatten die Bürgermeister Bernhard Rihm und Josef Winter.
Der Bau des Bildungszentrums gemeinsam mit Forchheim und Neuburgweier ab 1969 leitete eine engere Zusammenarbeit der drei Gemeinden ein. Diese führte nach langwierigen Verhandlungen und unter großem politischem Druck zum Zusammenschluss zum 1. Januar 1975.
Heute ist Mörsch einer der drei Stadtteile Rheinstettens im Westen Baden-Württembergs. Der Stadtteil hat über 9.300 Einwohner. Die Fläche der Markung beträgt 1681 Hektar. Damit ist Mörsch flächenmäßig der größte Stadtteil Rheinstettens.
Geografisch liegt Mörsch in der Oberrheinischen Tiefebene am Übergang vom Hochgestade zum Tiefgestade. Im Osten reichen Teile des Hardtwaldes in die Gemarkung. Im Westen liegen Äcker und Naturschutzgebiete. Westlich der besiedelten Fläche befindet sich der Tankgraben aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Angrenzend liegen Forchheim, Ettlingen, Durmersheim und Neuburgweier.
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