Neuburgweier im Zeitverlauf Infografik

Neuburgweier: Geschichte und Entwicklung bis 1975 im Überblick

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Neuburgweier wurde 1219 erstmals erwähnt und ist seit dem 1. Januar 1975 Teil der Gemeinde Rheinstetten.


Neuburgweier wurde 1219 im Zusammenhang mit einer Vermögensteilung der Brüder von Eberstein erstmals urkundlich erwähnt. Die Geschichte des Ortes ist eng mit Neuburg am Rhein verbunden. Neuburgweier entstand als Weiler des Ortes Neuburg, der vermutlich um 1100 am rechten Rheinufer erbaut wurde.

Von den Ebersteinern kam der Ort 1383 an die Kurpfalz. 1396 erscheint der Name „Wilre“. 1422 ist der Name Neuburgweier belegt. Ab 1259 befanden sich die Orte im Besitz der Grafen von Lichtenberg. Von 1540 bis 1590 waren die Orte an die Freiherrn von Fleckenstein verpfändet.

Der Ort gehörte zum pfälzischen Amt Hagenbach und zum Oberamt Germersheim. Im 16. Jahrhundert wurde Neuburgweier durch eine natürliche Laufveränderung des Rheins von Neuburg getrennt. 1592 bewirkte ein natürlicher Rheindurchbruch die geographische Trennung der beiden Orte. Neuburg lag seitdem westlich des Rheins. Politisch blieben beide Orte dennoch verbunden.

1674 wurde Neuburgweier französisch besetzt. Von 1680 bis zum Rijswijker Frieden beziehungsweise von 1682 bis 1697 gehörte der Ort zu Frankreich. Durch den Kreuznacher Staatsvertrag von 1707 gelangte Neuburgweier durch Tausch gegen sponheimische Besitzungen von der Kurpfalz an die Markgrafschaft Baden-Baden. Damit erfolgte die endgültige Trennung von der Muttergemeinde Neuburg. Danach gehörte der Ort zum Amt Ettlingen. Nach dessen Auflösung 1937 kam Neuburgweier zum Landkreis Karlsruhe.

Der Rhein prägte das Leben im Ort über lange Zeit. Die fruchtbaren Böden und die Fischerei boten eine Lebensgrundlage. Zugleich litt der Ort wegen seiner Lage in der Rheinaue häufig unter Hochwasser. Auch die Rheinbegradigung durch Tulla löste das Problem nicht dauerhaft. Die Verbindung nach Neuburg auf die westliche Rheinseite wurde über Jahrhunderte durch eine Fährverbindung aufrechterhalten. Heute besteht eine Rheinfähre von Neuburgweier nach Neuburg.

Der Chor der heutigen St. Ursula-Kapelle stammt von einer gotischen Kirche aus dem 15. Jahrhundert. Nach einer Beschreibung von 1683 gehörten damals fünf der neun Familien in Neuburgweier dem calvinistischen Glauben an. 1793 wurde das baufällige Langhaus der Kapelle durch einen Neubau ersetzt. 1871 erfolgte ein Umbau im neugotischen Stil. Vermutlich seit dem 18. Jahrhundert besteht das Patronat der heiligen Ursula. 1952 wurde die neue St. Ursula-Kirche eingeweiht. Die alte Kapelle ging in den Besitz der evangelischen Kirche über.

Im 17. und 18. Jahrhundert litt Neuburgweier unter kriegerischen Ereignissen. Der Dreißigjährige Krieg und der Pfälzische Erbfolgekrieg hinterließen Verwüstungen. Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort nahezu entvölkert. Durch die Kriege des 17. Jahrhunderts ging auch der mittelalterliche Ortskern verloren.

Im 18. und besonders im 19. Jahrhundert wuchs die Bevölkerung. 1814 lebten 178 Personen in Neuburgweier. 1885 waren es 489. Im Zusammenhang mit der Realteilung kam es zu Verarmung. Elf Personen wanderten im 18. Jahrhundert nach Südosteuropa aus. Im 19. Jahrhundert wanderten etwa 44 Personen vorwiegend nach Nordamerika aus. Um die Revolutionsjahre 1848/49 war der Ort ein Sammelpunkt für Auswanderer aus dem Amt Ettlingen und darüber hinaus.

Mit der Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wandelte sich Neuburgweier vom Bauerndorf zur Arbeiterwohngemeinde. Die Familien betrieben daneben weiterhin kleine Landwirtschaften zur Deckung des Eigenbedarfs. 1874 wurde ein Schul- und Rathaus errichtet. 1908 wurde ein neues Schulhaus eingeweiht. 1931 eröffnete die katholische Kirche einen Kindergarten.

Im frühen 20. Jahrhundert blieb Neuburgweier von politischen und militärischen Entwicklungen nicht unberührt. Die Herrschaft der Nationalsozialisten prägte den Alltag ab 1933. Ab 1934 war Josef Schneider Bürgermeister. 1933 beziehungsweise 1935 wurden Arbeitervereine und katholische Organisationen verboten. Ab 1936 wurde Neuburgweier in den Westwall einbezogen und mit mehreren Bunkern und Verteidigungsanlagen ausgebaut.

Der Erste Weltkrieg forderte 23 Gefallene. Im Zweiten Weltkrieg fielen 51 Neuburgweierer. Nach der Einnahme des Ortes durch die französische Armee in den ersten Apriltagen 1945 versuchte die Wehrmacht, den Ort zurückzuerobern. Dabei kamen über 50 Soldaten ums Leben. Einige Häuser, darunter das Rathaus, wurden zerstört.

Nach dem Ende des Krieges gehörte Neuburgweier zunächst zur französischen und dann zur amerikanischen Besatzungszone. Die Einsetzung unbelasteter Bürgermeister und die ersten Gemeinderatswahlen 1946 markierten den demokratischen Neubeginn. 1949 konnte das Rathaus wieder bezogen werden. Ab 1946 nahm die Gemeinde rund 250 Flüchtlinge und Vertriebene auf. Die Gesamtbevölkerung wuchs dadurch um etwa 25 Prozent.

Ab den 1950er Jahren wurden neue Baugebiete erschlossen. Der Ort dehnte sich vor allem zum Rhein hin aus. Ende der 1950er Jahre konnte die zentrale Wasserversorgung fertiggestellt werden. Der Bau des Bildungszentrums gemeinsam mit Forchheim und Mörsch ab 1969 leitete eine engere Zusammenarbeit der drei Gemeinden ein. Diese führte nach langwierigen Verhandlungen und unter großem politischem Druck zum Zusammenschluss zum 01.01.1975.

Neuburgweier ist heute einer von drei Stadtteilen von Rheinstetten im Landkreis Karlsruhe. Der Stadtteil ist einwohner- und flächenmäßig der kleinste der drei Stadtteile. Neuburgweier hat knapp 2500 Einwohner und eine Gemarkungsfläche von 385 Hektar. Westlich des Stadtteils fließt der Rhein und bildet die Grenze zu Rheinland-Pfalz. Die Auenwälder sind als Naturschutzgebiet ausgewiesen. In diesem Gebiet liegt der Fermasee. Durch den Ort fließt der rund 27 Kilometer lange Federbach. An Neuburgweier grenzen Forchheim, Mörsch, Au am Rhein und jenseits des Rheins Neuburg.


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Wichtige Fragen zur Geschichte von Neuburgweier

Wann wurde Neuburgweier erstmals urkundlich erwähnt?
Neuburgweier wurde 1219 erstmals urkundlich erwähnt.

Wann wurde Neuburgweier von Neuburg getrennt?
Im 16. Jahrhundert wurde Neuburgweier durch eine natürliche Laufveränderung des Rheins von Neuburg getrennt. 1592 bewirkte ein natürlicher Rheindurchbruch die geographische Trennung der beiden Orte.

Wann kam Neuburgweier zu Baden-Baden?
Neuburgweier gelangte 1707 durch Tausch gegen sponheimische Besitzungen von der Kurpfalz an die Markgrafschaft Baden-Baden.

Welche Bedeutung hatte der Rhein für Neuburgweier?
Der Rhein prägte die Lebensgrundlage durch fruchtbare Böden und Fischerei. Zugleich führte die Lage in der Rheinaue immer wieder zu Hochwasser.

Wie entwickelte sich die Einwohnerzahl im 19. Jahrhundert?
1814 lebten 178 Personen in Neuburgweier. 1885 waren es 489.

Welche Folgen hatte der Zweite Weltkrieg für Neuburgweier?
51 Neuburgweierer fielen im Zweiten Weltkrieg. Nach der Einnahme des Ortes im April 1945 wurden bei einem Rückeroberungsversuch durch die Wehrmacht einige Häuser, darunter das Rathaus, zerstört.

Wann wurde Neuburgweier Teil von Rheinstetten?
Neuburgweier wurde zum 01.01.1975 Teil der Gemeinde Rheinstetten.

Wie groß ist Neuburgweier heute?
Neuburgweier hat knapp 2500 Einwohner und eine Gemarkungsfläche von 385 Hektar.

 

 

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