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Der Landgraben wurde 1588 angelegt und im 19. Jahrhundert zum zentralen Abwasserkanal Karlsruhes ausgebaut. Heute dient er als Speicher bei Starkregen und steht mit seinem Sandsteingewölbe unter Denkmalschutz.
Der Landgraben ist ein ehemaliger offener Entwässerungsgraben in Karlsruhe, der im späten 19. Jahrhundert zum Abwasserkanal umgebaut wurde. Angelegt wurde er 1588 auf Veranlassung von Markgraf Ernst Friedrich von Baden-Durlach beim Bau des Schlosses Gottesaue. Seine Aufgabe war, die zwischen Schloss Gottesaue und Durlach verlaufende Kinzig-Murg-Rinne nach Westen zur Alb in Mühlburg zu entwässern. Hochwasser sollte dadurch schneller Richtung Rhein abfließen.
Der Verlauf des Landgrabens beeinflusste die Stadtentwicklung nach der Gründung Karlsruhes 1715. Der Graben zwang in der wachsenden Stadt zu abweichenden Straßenführungen. Dreieckige Plätze wie Lidellplatz und Ludwigsplatz entstanden auch, weil der Landgraben jeweils an einer Seite dieser Plätze verlief.
1768 wurde der Landgraben bis zur Pfinz verlängert. Die Verlängerung wird als „Stein(schiff)kanal“ beschrieben. Sie sollte zusätzlich Hochwasser der Pfinz aufnehmen und wurde als Transportweg für Baustoffe in das wachsende Karlsruhe genutzt. Ab 1794 durften Bürger Abwasser aus Küche und Bad in den Landgraben einleiten, Fäkalien waren zunächst ausgeschlossen.
Ebenfalls 1794 erhielt ein Müller in Mühlburg die Genehmigung, am Landgraben eine Wassermühle zu errichten. Dafür wurde der Graben um gut einen Meter angestaut. In der Folge verschlammte der wegen geringen Gefälles ohnehin langsam fließende Landgraben. Es kam zu starken Geruchsbelästigungen, insbesondere im Sommer. Bei Hochwasser wurden umliegende Freiflächen bis in Gebäude hinein überschwemmt.
Als Reaktion begann 1815 die Überbauung des Landgrabens. Die Kosten trugen die Eigentümer der angrenzenden Grundstücke und erhielten dafür das Eigentumsrecht an den neu entstehenden Flächen. Die Stadt finanzierte die Überbauung entlang öffentlicher Straßen. Auf dem 1823 erstellten Stadtplanrelief in der Karlsruher Pyramide ist der Landgraben mit seinem heutigen Verlauf eingezeichnet und als „LANG GRABEN“ beschriftet. Der Bau des Gewölbes startete am Lidellplatz. Die letzten Abschnitte im Westen wurden erst 1905 fertiggestellt. Parallel entstanden kleine Kanäle, „Dolen“ genannt, die Straßenwasser in den Landgraben leiteten. Aus dem offenen Entwässerungsgraben wurde ein unterirdischer Abwassersammler.
1877 erhielt Stadtbaumeister Hermann Schück den Auftrag, eine Kanalisation für Karlsruhe zu entwickeln. Der Landgraben sollte als Hauptsammelkanal dienen und dafür vertieft und ausgebaut werden. Frühere Pläne waren am Widerstand von Anliegern wegen befürchteter Gebäudeschäden und an fehlenden Mitteln gescheitert. Um den Mühlenstau zu beseitigen, kaufte die Stadt dem Müller die Wasserrechte für 70.000 Mark ab. 1883 begann die sogenannte Landgrabenkorrektion. Sie beendete auch das zuvor entstandene Dohlen-System.
Nach zwei Jahren waren die Arbeiten abgeschlossen. Der Landgraben erhielt einen Querschnitt von 17 Quadratmetern. In Europa wird für diese Zeit nur die Kanalisation in Paris als größer genannt. Großherzog Friedrich I. weihte das Bauwerk mit einer Kahnfahrt ein. Mit der Landgrabenkorrektion wird in Karlsruhe der Beginn der modernen Kanalisation verknüpft.
Ab 1893 wurde die Fäkalienabschwemmung zugelassen. Die Einführung von Wasserklosetts beendete damit den Grubenbetrieb für Fäkalien. Um eine stärkere Verschmutzung der Alb zu vermeiden, wurde der Bau einer Kläranlage beschlossen. Am Lameyplatz in Mühlburg zweigt seitdem ein Kanal nach Norden zum Klärwerk ab, das 1913 in Betrieb ging.
Seit Oktober 2002 ermöglicht die Stadt am Einstieg Lameyplatz Besuchergruppen einen Blick in den Landgraben. Ein Besuchersteg führt über das Fließgerinne bis zu einem gusseisernen Wehr, das weiterhin in Betrieb ist. Bei starkem Andrang kann Wasser noch über das ursprüngliche Endstück des Landgrabens bis zur Alb ablaufen.
Inzwischen übernehmen tiefer liegende Kanäle die Hauptaufgaben. Der Landgraben dient jedoch weiterhin als Speicher, wenn bei Starkregen die heutigen Hauptkanäle überlastet sind. Das Sandsteingewölbe des Landgrabens steht unter Denkmalschutz.
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